21-Sep-2009 14:13

Helmut Dreßler: EwigVorgestrigenReport

 

NEU 7. 7. 2009

1. Offener Brief an das Darmstädter Dialogforum zur Nordostumgehung

2. Darmstadt nach dem Generalverkehrsplan – Stand 1973
(skizziert nach dem offiziellen Stadtplan des Vermessungsamts – hier im heutigen Google-Map)


als <pdf> DIN A4 zur Vervielfältigung, auch als größeres Plakat, frei herunterzuladen

zwei DIN A5 als <pdf> DIN A4 zum Druck (Page Scaling: Tile large Pages); kostet weniger Tinte!


NACH dem Bürgerentscheid:

Einem neuen »on dit« zufolge ...


VOR dem Bürgerentscheid:
Die Darmstädter Nordostumgehung steht unmittelbar vor einem Bürgerentscheid am 7. Juni 2009:

»Sind Sie dafür, dass der Beschluss zur Vorlage 2008/0295 Bebauungsplan N59-Nordostumgehung (Satzungsbeschluss) der Stadtverordnetenversammlung vom 30. September 2008, die Nordostumgehung zu bauen, aufgehoben wird, also die Trasse NICHT gebaut wird?«

Ich plädiere dafür, mit JA zu stimmen.

Meine Begründung dafür steht in der Einmalzeitung, die ich hiermit veröffentliche. Ich bin damit solidarisch mit der ONO (Bürgerinitiative Darmstadt Ohne NordOst"Umgehung").

Um als »mündiger Bürger« (Sonntagsredenjargon) nicht kommentarlos zuzusehen, welcher GAI (Größter Anzunehmender Irrsinn) hier verwirklicht werden soll, habe ich sie erzeugt und stelle sie hiermit jeder & jedem zur Kopie und zum Druck zur Verfügung.

Weil sie nicht jede(r) bekommen kann, wird sie hier zum Download im pdf-Format eingestellt, und zwar in zwei Formaten:

EwigVorgestrigenReport-DIN A3

– zwei Seiten, so daß sie als DINA-4-Faltblatt (oder auch verkleinert) gedruckt werden können,

EwigVorgestrigenReport-DIN A4

mit vier Seiten, um diese auf einem DIN-A-4-Drucker auszugeben.

Außerdem kann man mir Kommentare schicken, die hier, falls sie nicht anonym sind, eventuell (einvernehmlich) gekürzt und in »Notfällen« (Not für mich) kommentiert werden.

 

Emails an helmut.dressler@t-online.de und Kommentare

durchnumeriert und in zeitlich umgekehrter Reihenfolge sortiert:

•6•
...

•5•
... und jetzt kommt deine zeitung - prima...herzliche grüsse und danke fürs einmischen. – iris behr

•4•
Herzlichen Dank für deine Unterstützung! Sehr gute und informative Beiträge. – Ellen Schüßler

•3•
besten Dank - ich werde (in und mit attac DA) ordentlich mobilisieren > für den Bürgerentscheid. - Jan-Martin Roth

•2•
danke für den neuesten "Der EwigVorgestrigenReport"! Ich habe ihn mit viel Freude gelesen!
Vor allem finde ich toll, dass Sie ein Gedächtnis haben und an die alten Schildbürgerstreiche der Darmstädter Stadtplaner erinnern.
Offensichtlich sind wir deren Nachlass ja immer noch nicht los... Klasse gemacht! Danke! Weiter so!
Tom Reussner.
P.S.:
Ein gut gemeinter Hinweis: Die auf dem Titelblatt illustrierte Trassenführung ist nach meinen Infos (u.a. auch von den BI ONO-Leuten) NICHT korrekt. Der Kamin soll auf dem Fohlenhof stehen und die Trasse soll zwischen den beiden Sportstadien entlang laufen. Das sollten Sie unbedingt überprüfen und gegebenenfalls noch korrigieren, um glaubwürdig zu bleiben. Gott sei Dank sind PCs ja geduldig (-;

[ok. Und ich lasse die Zeichnungen so, auf übermäßiges Detaillieren kommt's nicht an, und wenn jemand in Ermangelung von Hauptargumenten beckmesserisch daran Anstoß nimmt, so soll er. HD]

•1•
Du sprichst mir aus dem Herzen! – Margret


Offener Brief an das Darmstädter Dialogforum zur Nordostumgehung
z. H. Herrn Oberbürgermeister Walter Hoffmann • DA, den 7. Juli 2009

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

Ihren Vorschlag zu einem Dialogforum nach dem Bürgerentscheid begrüße und befürworte ich außerordentlich, denn nun können alle wesentlichen Argumente ohne Bürgerentscheidspropaganda – etwa ohne die Simpelsprüche der IHK in der von ihr »gefahrenen Kampagne« – noch einmal ausführlich und sachlich zur Sprache kommen. Abgewogene Argumente sollen allein gelten. Eines, das allerwichtigste, will ich anschließend vorbringen.

Zuvor aber einige allgemeine Bemerkungen: In jener denkwürdigen Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung am 28. Februar 1980, als auch SPD und FDB, getrieben von der WGD, die Osttangente »kippten«, hat allein die CDU gegen diesen Beschluß gestimmt. Die SPD hat damals die Vernunft walten lassen, und die FDP-Fraktion mußte erst durch Herrn Hoffie(!), der eigens aus Bonn angereist war, zum Beschluß überredet werden: immerhin. Aber in der CDU rumort & viruliert diese Absicht wohl immer noch; sie hat sich jedenfalls von ihrer damaligen Haltung noch nicht distanziert, und frühere, alte Stadtverordnete propagierten sie viel später noch immer. Wenn man bedenkt, daß der damalige Darmstädter Generalverkehrsplan (GVP) Autobahntrassen im Innern oder am Rande der Kernstadt vorsah – ich will in den nächsten Tagen hier nun eine Skizze zu diesem autogerechten Darmstadt veröffentlichen –, kann einem heute noch angst & bange werden, wenn man sich die Auswirkungen ausmalt, falls alles so realisiert worden wäre. Um das Ausmalen der Auswirkungen zur NOU wird es gleich akut gehen. Doch zunächst will ich die Überlegung zum GVP noch etwas fortführen, weil nun die Zukunft betroffen ist.

Der uralte Generalverkehrsplan (ca. 1970) ist weiterhin »in Kraft«, was auch immer das bedeutet; im Jahre 1980 ist er nur fortgeschrieben und modifiziert worden. Einen aktuellen und nach heutigen Maßstäben bedachten und konzipierten gibt es nicht, und so einer ist auch nicht in Arbeit; der Verkehr in Darmstadt hat also keine (geplante) Zukunft. Dies aber betrachte ich als eine wesentliche Aufgabe zur Stadtplanung überhaupt. Zu keiner Zeit seither jedoch wurde diese Aufgabe auch nur diskutert. Sie ist überfällig, darf aber keinesfalls übers Knie gebrochen werden und dauert mindestens eine Legislaturperiode. Also geben Sie als Oberbürgermeister den Startschuß! Das kann Darmstadt nur gut tun und bündelt – schon und zunächst in diesem Ihrem Dialogforum – alle Argumente und Teilkonzepte, Bedenken und Hoffnungen. Das wird Arbeit kosten und bringt sicherlich ein erhebliches bürgerschaftliches Engagement, ein sachliches.

                                                          –*–*–*–*–

Nun zur Haupt- und Generalfrage für die NOU-Planung schlechthin:

Kann es die versprochene Entlastung der Darmstädter Stadtstraßen überhaupt oder in welchem Maße geben?

Die Planer haben am Modell simuliert und prognostiziert auf Grund der vorhandenen (im wesentlichen:) Pkw-Ströme. Und sie sind zu Ergebnissen gekommen, die kaum jemanden vom Hocker reißen, besonders nicht die scheinbar entlasteten im Martinsviertel; nur etwa in Wixhausen und Eberstadt – so der entstandene Darmstädter Treppenwitz – befürwortet man die fernen Lasten & Strapazen durch einen Tunnelbau, welche man selbst nicht zu ertragen hätte. St. Florian hat wohl wieder gewütet.

Jedoch unabhängig davon belastet die gesamte Prognose ein methodische Manko, ein erhebliches: Wegen fehlender Informationen wurde der zusätzlich hervorzurufende Lkw-Verkehr unzulänglich berücksichtigt. Dazu werden nur völlig ungenügende Aussagen getroffen, nichts wirklich verläßlich und kompetent analysiert und nicht genügend quantifiziert; man hatte dazu ja auch keine Daten ... so ein Pech, mit dem »man« sich aber erstaunlich leicht abgefunden hat. Eine eingehende »Verkehrsanzugsanalyse« also steht noch aus und stellt für den Gesunden Menschenverstand eine notwendige Bedingung dar.

Ich will – zum wiederholten Maße – einige methodische Aspekte dazu vorbringen und dann Ihr Dialogforum bitten, weiter zu denken und zu arbeiten:

• Die geplante Straße ist eine Bundesstraße. Also wird es keine Verkehrseinschränkungen geben können. Ein Lkw-Verbot ist nicht möglich.
• Eine solche unbeschränkte Straße stellt für viele Lkw zwischen Aschaffenburg und Langen (über Nordumgehung Arheilgen), Mainz oder Gernsheim eine attraktive Abkürzung dar, eine mautfreie.
• Der Verkehrsleitwert der Trasse durch den Tunnel – nur einspurig in jeder Richtung – ist eher gering.
• Ein mehr als 2 km langer Tunnel mit starkem Lkw-Verkehr würde viele Autofahrer(innen) abschrecken; sie würden die »bewährten« Routen nehmen.
• Ein solcher enger Tunnel, fast wie ein Hohlweg, stellt auch ein nicht nur psychologisches, sondern erhebliches tatsächliches Gefahrenpotentials dar; er ist nur am äußersten Rande heutiger Genehmigungsverfahren überhaupt möglich; und eigentlich werden solche Tunnelarten heutzutage gar nicht mehr genehmigt. Eine bürgerschaftliche Klage ist deshalb wahrscheinlich.
• Alsbald nach Eröffnung der Trasse würde sich ein neuer Durchschnittsverkehr entsprechend der Durchlässigkeit des Stadtgebiets in Ost-West-Richtung (mit Teilflüssen in Nord-Süd-Richtung) einstellen.
• Er entsteht aus einem Einschwingvorgang: Eine zu gute Durchlässigkeit zieht alsbald mehr Verkehr an, Überlastung, Staus und Wartezeiten schrecken ab. Die Verkehrsteilnehmer werden ihre Erfahrungen alsbald in eine Grundhaltung, welche Route sie nehmen wollen, umsetzen.
• Dies wäre nur dann in Frage zu stellen, wenn gar nicht genügend Verkehrsaufkommen möglich wäre oder man die NOU nur mit Schwierigkeiten erreichen könnte. Jedoch fehlen zu einer solchen Aussage verläßliche, quantifizierte Daten, und außerdem plant der Landkreis Umgehungsstraßen, so daß noch mehr Verkehr als heute rascher an den Rand von Darmstadt gelangt. Also wird die NOU-Attraktivität noch erhöht, von außen her.
• Meine bereits publizierte Analogie zum Ohmschen Gesetz ist weiterhin ein verläßliches, natürlich nur qualitatives, Modell für Verkehrsflüsse in einem Verkehrsgebiet. Jede echte Simulation von Verkehrsflüssen benutzt ähnliche, selbstverständlich differenziertere Modelle, indem sie für alle Verbindungsstücke verkehrliche Leitwerte (mehrere nach Kfz-Klassen) definiert und dann – bei einem bestimmten äußeren (und inneren) Verkehrsaufkommen – die verschiedenen Flüsse von ihren Computern berechnen läßt.
• Allerdings mit der Gefahr, daß die jeweiligen Modelle der Wirklichkeit nur wenig entsprechen, nicht alle Rand- und Anfangsbedingungen gut berücksichtigt sind und die Verkehrsplaner ihre Prognosen deshalb in den Sand setzen. Jedoch ein solches Ergebnis wäre im Sinne einer Qualitätssicherung erst im Nachhinein zu belegen; aber dann ist die Verantwortung dafür längst in anderen Händen und würde – absurderweise – von den Einwohnern, also den Betroffenen getragen werden müssen. Politiker und Verkehrsplaner könnten sich dann leicht verstecken, sie sind auch nicht mehr in Amt & Würden, und mit den Fingern auf jeweils die anderen zeigen.
• Also: Welche(r) von den Stadtverordneten, falls er/sie verantwortungsvoll handeln will, kann es sich angesichts einer derartigen Ungewißheit – ungeprüft angesichts des methodischen Mankos – leisten, das Projekt zu starten mit der Gewißheit, daß die erhofften Wirkungen fraglich sind?

Mein Resümee:

Die NOU würde genau so viel Verkehr zusätzlich anziehen wie sie aufzunehmen in der Lage ist.

Also bliebe für die zu entlastenden Straßen alles wie bisher. Und deswegen könnte ein solches Riesenprojekt mit all seinen schreckliche Nebenwirkungen und gewaltigen Investitionskosten als Resultat nur zusätzliches Verkehrschaos schaffen. Aber in dem nun etwas autogerechteren Darmstadt würden alle alternativen Aspekte eines Verkehrskonzepts zusätzlich behindert oder gar unmöglich gemacht. Um dies mit Verstand und Verantwortung zu verhindern ist ein ganz neuer Generalverkehrsplan (vielleicht im Namen ohne das Wort »General«) auszuarbeiten.

                                                          –*–*–*–*–

Eine letzte Bemerkung betrifft die CDU und Herrn Reißer: Man will im September nur zustimmen, wenn der vorgesehene Abluftkamin einen Filter bekommen soll. Unabhängig von der im geschilderten Gesamtrahmen doch ziemlich läppischen Bedingung – alle anderen Gefahren und Mißergebnisse werden ignoriert – hat damit zum ersten Mal eine der drei Parteien [SPD•CDU•FDP] eine Luftbelastung unterstellt, also zugegeben, daß da ein Problem entstünde. Auch die Osttangente wäre ja damals ohne die »grüne Achse der Vernunft« als Nebenbeibedingung dem Vater Reißer als nicht vollkommen erschienen, selbst wenn jener Ausdruck vielleicht eine ironische Übertreibung war. In der Sache sind Vater und Sohn eines »Geistes«, aus Tradition. Wir müssen uns einer solchen eher verhängnisvollen Tradition wiederum nicht anschließen.

Freundliche Grüße
Ihr

gez. Helmut Dreßler